Eine Blumenwiese im Garten legst Du an, indem Du den Standort sorgfältig prüfst, den Boden von Rasen und Wurzelresten befreist und eine standortgerechte Saatgutmischung ausbringst. Doch eine artenreiche Wiese ist nicht nur eine schöne, bunte Alternative zum klassischen Rasen: Sie bietet Wildbienen, Schmetterlingen, Käfern und vielen weiteren Tieren einen wertvollen Lebensraum. Damit die Ansaat gelingt und sich langfristig eine stabile Wiesenfläche entwickelt, kommt es auf die richtige Vorbereitung, geeignetes Saatgut und eine angepasste Pflege an.
Gefühlt jede Kundenanfrage beinhaltet den Wunsch, eine Blumenwiese im Garten zu haben.
Ich schaue mir dann zuerst die Gegebenheiten vor Ort an:
Wenn diese Fragen geklärt sind, kann die Planung beginnen.
Was steckt hinter dem Wiesenhype?
Echte Wiesen außerhalb von Gärten und öffentlichem Grün werden immer seltener und mit ihnen die dazugehörigen Tiere.
Viele Wildbienen sind auf einige Pflanzen spezialisiert, wie zum Beispiel die Natternkopf-Mauerbiene auf den Natternkopf (Echium vulgare). Die Raupen der von uns schon schmerzlich vermissten Falter fressen an Gräsern und Kräutern, viele an Brennnesseln. Heupferde lieben den Gräserdschungel, Käfer und Schwebfliegen laben sich an Wilder Möhre oder Rainfarn, der ebenfalls gerne von der Rainfarn-Maskenbiene als Pollen- und Nektarquelle genutzt wird.
Die Wiese ist also ein Lebensraum, ein wichtiger Ort zum Leben, Lieben und mehr für viele Lebewesen, die von einander abhängen und auf die Pflanzen angewiesen sind.
Mit einer Wiese im eigenen Garten können wir diese Lebensräume als Trittsteine wieder ins System bringen!
Mein Experiment mit der Umwandlung der Mehrschnitt-Rasenfläche vor unserem Wohnblock in eine Wiese läuft gerade nicht so wie geplant.
Ist es im Frühjahr zu trocken, reifen die Gräser zu schnell aus, was dann eine wirklich unansehnliche Fläche mit trockenen Halmen ergibt. Der Hang ist sehr trocken, auch, weil drei Blutpflaumen alles Wasser abziehen. Im Schatten hat sich ein Johanniskraut etabliert, viele Kräuter waren schon in der Fläche vorhanden.
Besonders im Frühling, so ab März, wird es bunt auf der Fläche. Rote Taubnessel, Löwenzahn, die von mir eingebrachten Blumenzwiebeln und mehr locken die ersten Wildbienen an.
Im Mai starten die verschiedenen Kleearten und die Wilde Malve durch, jetzt Ende Juli blühen Schafgarben und noch vereinzelt der Natternkopf. Die Saatgutübertragung von der nahegelegenen Wiese vor einer Kita hat bisher noch keine Wirkung gezeigt. Die Rasengräser sind zu dominant, so dass die Wiesenblumen einfach keine Chance haben, zu keimen und hochzuwachsen.
Gemäht wird die Wiese nach meiner Anleitung von den Hausmeistern bisher einmal Ende Juli.
Ich stelle fest, dass ein anderer Mäh-Rythmus vielleicht besser wäre. Mindestens zweimal jährlich, Ende Mai und Mitte September. Dann können gleichzeitig auch die Wildtriebe der Blutpflaumen und die Ausläufer der benachbarten Trompetenwinde im Zaum gehalten werden.
Besser wäre es gewesen, die Rasenfläche zu fräsen und Wiese direkt danach anzusäen. Immerhin konnte ich bisher 30 verschiedene Wiesenpflanzenarten feststellen.
Der wichtigste Punkt ist eine gute Saatgutmischung zu finden. Die Baumarkt-Mischungen enthalten leider oft nichtheimische Exoten, die der Mischung zwar den farbigen Kick geben, aber meist nur einjährig sind und im nächsten Jahr dazu zwingen, die Mischung erneut anzusäen. Das ist nicht nachhaltig!
Gute Quellen für standortgerechte, zum Boden und den Lichtverhältnissen passende Mischungen sind z.B. Fa. Rieger-Hofmann und Fa. Syringa.
Wenn noch Rasen vorhanden ist, wird die Fläche, auf der eine Wiese entstehen soll, entrasifiziert, also Spaten und Schaufel zur Hand und Rasensoden abgestochen und entfernt.
Damit lassen sich z.B. eine Rasenbank gestalten oder kleine Höhenzüge in den Beeten anlegen (damit sind die hinteren Stauden besser zu sehen, kleiner Planertrick!).
Lockere den Boden gut auf, arbeite, wenn nötig, Sand ein, um den Boden weiter abzumagern und harke Steine und Wurzelreste raus.
Am besten gelingen Ansaat und Keimung, wenn der Boden feucht ist, kurz nach einem Regen und vorzugsweise im Frühjahr und Herbst, wenn es nicht so heiß und trocken ist.
Strecke die Wiesensaatmischung mit etwas Sand in einer Schüssel oder einer Säwanne, so lassen sich die manchmal sehr feinen Samen besser breitwürfig ausbringen. Die Menge pro Quadratmeter wird auf der Verpackung verzeichnet sein. Der Richtwert für die Aussaatdichte liegt bei fünf bis zehn Gramm Saatgut pro Quadratmeter.
Wie bei der Rasenansaat wird die Fläche nun angewalzt, mit einer Rasenwalze oder selbstgebauten Trittbrettern. Du kannst den Boden aber auch einfach sich setzen lassen.
Eine Wiese anlegen und dann wachsen lassen? Das ist keine gute Idee.
Wiesen müssen gemäht werden, damit sie nicht verbuschen. Es gibt die einschürige, zweischürige und sogar dreischürige Variante, also 1-3 Mal pro Jahr mähen, am besten etappenweise in Teilflächen. So haben die Wiesenbewohner eine Chance, sich umzusiedeln.
Lass anschließend das Schnittmaterial einen Tag lang zum Aussamen der Blüten liegen und entferne es dann.
Bei kleinen Flächen klappt das sogar mit der Sense oder Handsichel. Es macht keinen Lärm und entspannt.
Wer es lieber maschinell erledigen will, nimmt Freischneider oder Balkenmäher – nur beim Kräuterrasen, der öfter gemäht werden kann, geht es wegen der Schnitthöhenbegrenzung noch mit dem Rasenmäher.
Ideal sind übrigens Naturmäääher wie Schafe und Ziegen.
Du hast noch nicht genug vom Thema Wiese? Hier habe ich einen Video-Streifzug durch verschiedene Wiesentypen für Dich.
Ulrike Aufderheide: Rasen und Wiesen im naturnahen Garten; Pala Verlag, Darmstadt, 3. Auflage 2020
Das ist möglich, gelingt aber nicht immer problemlos. Häufig sind die vorhandenen Rasengräser so dominant, dass die Samen der Wiesenblumen kaum keimen können. Erfolgversprechender ist es deshalb, die Rasensoden zu entfernen und die Fläche neu einzusäen.
Wähle eine hochwertige, möglichst regionale Saatgutmischung, die zu den Licht- und Bodenverhältnissen in Deinem Garten passt. Von Mischungen mit vielen nicht heimischen, einjährigen Pflanzen ist abzuraten, da sie häufig jedes Jahr neu ausgesät werden müssen.
Die besten Zeitpunkte für die Aussaat sind das Frühjahr und der Herbst. Besonders gut keimen die Samen, wenn der Boden feucht ist und keine längeren heißen oder trockenen Phasen zu erwarten sind.
Je nach Wiesentyp wird eine Blumenwiese ein- bis dreimal im Jahr gemäht. Mähe die Fläche möglichst abschnittsweise, damit Insekten und andere Wiesenbewohner Rückzugsorte behalten. Das Schnittgut sollte nach kurzer Zeit entfernt werden, damit der Boden nicht zusätzlich mit Nährstoffen angereichert wird.
Einige Pflanzen können bereits im ersten Jahr blühen, während sich eine artenreiche und stabile Blumenwiese meist erst über mehrere Jahre entwickelt. Geduld gehört deshalb zur Anlage einer naturnahen Wiese dazu.
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